Aus Regeln Neues bauen #11


Ohne Wolfgang Weingart lässt sich New Wave im Grafikdesign kaum denken. Und da mich seine Herangehensweise sofort gepackt hat, habe ich diese Woche mal zu ihm auf-/hingeschaut und den Stil für meinen Entwurf adaptiert.

Weingarts Prozess ist mir in vielem recht nah: Erst die Regeln verstehen, um sie dann bewusst zu brechen und etwas Neues zu schaffen.


Wolfgang Weingart (1941–2021) lehrte als Typograf an der Allgemeinen Gewerbeschule Basel. Einem Ort, der für den Swiss Style bekannt war – klar, rational, Raster basiert.
Doch er drehte den Spieß um. Während seine Kollegen Ordnung vermittelten, experimentierte er mit extremem Letter-Spacing, gedrehten Rastern, überlagerten Schichten und typografischen Collagen. Seine Plakate sind beste Beispiele dieser Regelbrüche.

Sein Ansatz war kein blindes Chaos, sondern methodisches Aufbegehren. Er kannte die Regeln des Swiss Style sehr genau und brach sie mit Bedacht.

Seine Ideen passten gut zur New Wave Bewegung der 1980er, die er entscheidend prägte und vorantrieb. Der neue Stil war immer noch kühl und distanziert. Doch das unkonventionelle, dem New Wave eigene Experimentieren mit den Elementen war eine deutliche Abkehr vom klaren, eindeutigen Swiss Style.

In den vielen Jahren seiner Lehrtätigkeit (1968 bis 2004) beeinflusste er Generationen von GrafikerInnen. Unter anderem schreiben verschiedene Quellen seiner Arbeit auch einen erkennbaren Einfluss auf April Greiman, Dan Friedman, Nevill Brody und David Carson zu.

Während der Adaption habe ich folgende Parallelen entdeckt:

Regeln als Sprungbrett

Weingart kannte die Regeln, bevor er sie brach. Das ist mir sehr nah: Auch ich kann meine Kreativität und Experimentierfreude viel leichter entfachen, wenn ich die Regeln gut kenne.

Disziplin als Freiheit

Seine Lehre war wohl mehr geordneter Prozess als freies, willkürliches Experimentierfeld.
Auch ich favorisiere in meiner Arbeit die disziplinierte, strukturierte Art des Experimentierens, Entwickelns von Neuem.

Erst die Idee, die Inspiration

Weingart nutzte die verschiedensten Techniken, vom Bleisatz bis zur heutigen digitalen Typografie. Und doch scheint in seinen Arbeiten, die Idee immer als Erstes dagewesen zu sein. So arbeite ich auch am liebsten: Zuerst mit dem Bleistift die Idee aufs Papier und dann im Zielformat weiterentwickeln.


Im Gegensatz zur vergangenen Woche, wo ich den Design Stil des Maximalismus mit innerem Aufwand adaptierte, freue ich mich diese Woche über die vielen Parallelen in der Arbeitsweise.

Wer jetzt Lust hat, sich Plakate und andere Arbeiten von Wolfgang Weingart anzuschauen:
Wolfgang Weingart | MoMA

Objekte – Wolfgang Weingart – Personen / Institutionen – Online-Katalog Plakatsammlung


Jetzt du: Ich freue mich, wenn du mir einen Kommentar da lässt und wir uns austauschen.

Ganz unabhängig davon, wünsche ich dir eine gute Sommerwoche bis zum nächsten Wände entdecken :o)

Herzlich, Silja

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