Simultankontraste #12


Eine Frau, die die Wirkung von Farben zum Zentrum ihrer Arbeiten machte, hat mich diese Woche inspiriert. Sonia Delaunay-Terk (1885 –1979) war eine ukrainisch-französische Malerin und Designerin.

In ihrer Arbeit fokussierte sie sich auf ein visuelles Phänomen, auf die Wechselwirkung von Farben. Mit diesem Fokus und geometrisch-abstrakten Formen hat sie Plakate, Bücher, Mode und Inneneinrichtungen auf zeitlose Weise gestaltet.


An der Karlsruher Akademie der Bildenden Künste absolvierte sie ein Zeichenstudium, wechselte 1906 nach Paris und ließ sich von Künstlern wie Gauguin, van Gogh und dem Fauvismus inspirieren.

1910 heiratete sie den Avantgardisten Robert Delaunay. Gemeinsam konzentrierten sie sich auf das Zusammenspiel von Licht, Farbe und Bewegung. Dabei schufen sie auf Basis des Simultankontrastes neue künstlerische Ausdrucksformen.

Mit ihren kontrastreichen, farbstarken Designs schuf sie Plakate, Mode und Inneneinrichtungen. Sie entwarf Kostüme und Bühnenbilder, entwickelte Ausstattungen für Theaterstücke und Filme. Sie lebte in Paris, arbeitete zeitweise in Portugal und Spanien.

Ihre Designs werden heute noch zitiert, ein paar Beispiele:

  • Mode: 1913 entwarf sie das erste „simultanistische“ Kleid, ein tragbares Kunstwerk.
  • Textilien: Ihre Stoffmuster für Ballets Russes oder private Auftraggeber gelten heute als Vorläufer der Op-Art.
  • Plakate und Bücher: Ihre Typografie und Farbkompositionen waren besonders. Ihre Arbeit für das Buch La Prose du Transsibérien, 1913 gilt als eines der ersten abstrakten Künstlerbücher.
Plakatdesign Silja Wolff, inspiriert von Sonia Delaunay-Terk

Allein durch die nüchternen Fakten ihres Lebens strahlt so viel Kreativität und Schaffenskraft – ich wäre gern für ein paar Tage Mäuschen in ihrem Atelier gewesen.


Was war nochmal der Simultankontrast?

Der Simultankontrast beschreibt die Wechselwirkung von nebeneinanderliegenden Farbflächen. Er erklärt eine beim Betrachten wahrgenommene Veränderung des objektiv vorhandenen Kontrastes. Genau, wie der Flimmer- oder Sukzessivkontrast, ist der Simultankontrast eine visuelle Farbempfindung, die real nicht vorhanden ist.

Unser Farbsehen wird wesentlich durch den Simultankontrast beeinflusst. Wir nehmen in der Umgebung einer Farbe automatisch auch ihre Komplementärfarbe wahr. Dies nützt uns, um auch unter ungünstigen Sichtverhältnissen Gegenstände deutlich unterscheiden zu können.

Ein konkretes Beispiel: Stell dir vor, du schaust auf ein gelbes Quadrat auf schwarzem Grund. Bei etwas längerem Betrachten siehst du um das Gelb herum einen lila Schimmer. Das ist kein optischer Fehler, sondern dein Gehirn erzeugt die komplementäre Farbe, um den Kontrast zu verstärken.

Besonders stark treten Simultankontraste auf, wenn nicht direkt komplementäre Farben gewählt werden. Stellt man einem Rot statt eines Grüns, ein Gelbgrün oder Blaugrün gegenüber, steigert sich die Wahrnehmung der wechselseitigen Beeinflussung.

Einige Farbregeln, die auf diesem Phänomen beruhen, kennt jeder von uns:

  • Gelb neben Blau wirkt intensiver als allein.
  • Rot auf Grün lässt beide Farben vibrieren.
  • Weiß zwischen zwei Komplementärfarben (z. B. Rot und Grün) erscheint plötzlich farbig getönt.
  • Kombiniert man eine helle und eine dunkle Farbe, vertieft sich die Wirkung. Die Farben wirken heller bzw. dunkler als sie tatsächlich sind.

Willst du mehr über das Phänomen des Simultankontrastes erfahren? Such gern auch unter Chevreul-Täuschung, Farbtäuschung, Kontrasttäuschung.


Doch was hat mich an Sonia Delaunay-Terk besonders inspiriert?

  • Genaue Wahrnehmung: Delaunays Werk schubst mich zum genauen Hinsehen. Ich nehme mir Zeit, sehe nicht nur Farben, sondern entdecke auch, was zwischen ihnen passiert und wo meine Wahrnehmung Farbübergänge selbst erzeugt.
  • Lebenslanges Vertiefen: Sie widmete ihr gesamtes Schaffen einem Thema, der Wirkung von Farben. Keine Fomo und keine ständige Frage, ob ein Thema wohl ausreichend ist für ein ganzes Leben. Ja, ist es.
  • Materialübergreifende Inspiration: Ihre Ideen funktionieren auf Papier, Stoff, Möbeln – und heute auch auf digitalen Screens. Gute visuelle Konzepte sind zeitlos und medienübergreifend.

Wenn du jetzt mehr über Sonia Delaunay-Terk erfahren willst, ist hier ein guter Startpunkt: https://www.wikiart.org/de/sonia-delaunay-terk

Ich freue mich über ein Like oder einen Kommentar, wenn mein Plakat und die Ideengeberin dich angesprochen haben und wünsche ich dir eine farbenfrohe Woche.

Herzlich, Silja

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