Zwanzig Plakate #20


Im Mai habe ich begonnen, Arbeiten anderer Grafik Designer:innen für eigene Plakatentwürfe zu adaptieren. Gestartet bin ich aus Freude am kreativen Experimentieren. Jetzt, vier Monate später, blicke ich zurück und sehe, da ist einiges zusammengekommen. Ich habe neues Wissen, mehr Kenntnis über mein kreatives Lernen und weiß mehr über die Vor- und Nachteile dieser Methode.


Mein Inspirationsschubser

Ich fand es grmpfhh, dass im Berufsalltag oft zu wenig Zeit für kreatives und sorgloses Ausprobieren vorhanden war. Daraus entstand die Idee, sich jede Woche ein, zwei Feierabende für die eigene Kreativität zu gönnen.

Meine Wahl fiel auf das Medium Plakat. Und so tauche ich Woche für Woche in neue Plakatwelten ein, habe Poster-Festivals besucht, der Postbotin Rückenschmerzen beschert (Bildbände sind schwer), großartige Plakatgestalter:innen getroffen und unterschiedliche Ausstellungen besucht.

Für die eigenen Entwürfe habe ich mir einen groben Rhythmus vorgegeben: Jede Woche ein Plakat erstellen und im Wechsel Designerin, Designer, Plakat-Stil als Inspiration wählen.
Gleichbleibend ist, dass ich die Arbeiten genau anschaue und analysiere. Nicht alles spricht mich an, nicht alles möchte ich aufnehmen. Was aber jede Woche passiert, ich hinterfrage meine eigenen Gestaltungsmuster und entdecke neue Nuancen.

Was also habe ich dazugewonnen? Und was kostet es mich?

Sorglos gestartet, bin ich zwischendrin in eine Schleuderpartie geraten. Ich war mir sicher, dass ich meinen eigenen Zugang verliere und nur noch fremde Stile kopiere. In diesen Momenten hat es mir geholfen, an meiner Blickführung zu arbeiten. Nicht durchs Starren auf die eigenen Füße ins Straucheln zu kommen, sondern auf den nächsten Versuch, die kommende Woche zu vertrauen.

Gewonnen habe ich außerdem stille Freude und Gelassenheit. Allein durch das Eintauchen in die verschiedenen Lebensläufe, die alle dieses Zweifeln und Sich-Erheben, dieses An-sich-Arbeiten und In-Bewegung-bleiben in sich tragen, bin ich in ein gutes Normal eingebettet.

Doch es kostet Zeit und Aufmerksamkeit. Zeit, die in mancher Woche zwei Feierabende, plus Teile des Wochenendes war. Wahrscheinlich lässt sich die Methode nicht unendlich fortschreiben, wird das Leben dazwischen grätschen. Im Moment aber genieße ich die Art der Freizeitgestaltung.

Und, das möchte ich an dieser Stelle dringend los werden: Ein großes Dankeschön an jede:n einzelne:n Leser:in hier – euer Lesen, euer Newsletter-Abo hat mir auch geholfen dranzubleiben!


Wie mein Plakatentwurf entstanden ist

Im heutigen Plakat steckt viel der vergangenen Monate. Heute kann ich klar benennen, was mein Stil ist. An welchen Dingen man meine Designs erkennt.

Da ist zuerst einmal das Reduzierte, die ruhige und klare Struktur. Meine Farbpalette, kontrastreich und gleichzeitig unaufgeregt, gehört genauso dazu wie unverzerrte, lesbare Typografie.

Die Verwendung von eigenen, wenig bearbeiteten Fotos und händisch erstellten Illustrationen kommt in meinen Entwürfen oft nur als entweder oder vor. Doch beides ist mir wichtig und so ist es die Kombination geworden.

Und das Neue, für mich selbst das Schönste: Ich bin bereit etwas von meiner Alltagspoesie, meiner Zärtlichkeit dem Leben gegenüber zu zeigen.



Blick hinter die Kulissen


Aha-Moment to go

Es ist eine bewährte Lern- und Arbeitsmethode, sich durch die Reflektion anderer Arbeiten, in Kombination mit dem eigenen Tun weiterzuentwickeln. Man kann intuitiv starten, so wie ich das getan habe. Oder noch mehr Anleitung und Systematik z.B. in dem Konzept „reflection-in-action“ (1983) von Donald Schön finden.



Noch eine kleine Inspiration

Das Foto (re.) lieferte die Idee zur Illustration und wurde im Kunstmuseum Magdeburg aufgenommen.

Deshalb empfehle ich dir, wann immer du in der Nähe bist, einen Besuch im Kunstmuseum Magdeburg, allein die Architektur ist absolut sehenswert.


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Ich wünsche dir eine schöne Woche und freue mich dich nächste Woche mit einem neuen Plakat zu überraschen!

Herzlich, Silja

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