Die poetische Seite strenger Karos
Es regnet, der Tag vergeht mit viel notwendiger Fleißarbeit. Ich brauche dringend etwas Leichtigkeit und suche Ablenkung. Mein Blick bleibt an einem knallroten Bildband über japanisches Poster Design hängen. Fünf Minuten später haben mich die Plakate von Eri Isihara eingefangen. So viel Poesie hätte ich starken Farbkontrasten und strengen Karos gar nicht zugetraut.
Mein Inspirationsschubser
Menschen in meinem Umfeld sind seit einiger Zeit regelrecht Japan gehypt. So hat der Bildband über japanisches Poster Design in meinen Bücherschrank gefunden. Beim Durchblättern bleibe ich an den Plakaten von Eri Ishihara (geb. 1987) hängen. Ihre Poster strahlen Poesie aus, haben genau diese gesuchte Leichtigkeit.
Meine Erfahrung flüstert, schau mal genauer hin. Wenn etwas so leicht daher kommt, steckt meist gutes Handwerk und Können dahinter. Also schaue ich mir Ishiharas Arbeiten genauer an. Und entdecke in den Details Witziges: Für ihre Poster-Serie „Spring has come“ stellt sie eine schöne Schmetterlings-Amaryllis in eine kleine Flasche Citrus Allzweckreiniger anstelle der Vase und inszeniert diese nach bester Editorial Manier.
Ich will mehr wissen und finde auf ihrer Website verschiedenste Auftragsarbeiten aus den Bereichen Mode, Kosmetik und Food. Sie arbeitet als Art Directorin, Grafik Designerin und Bilderbuchautorin. In den letzten zehn Jahren wurden ihre Arbeiten im Branding, Packaging und Ausstellungsdesign regelmäßig hervorgehoben und ausgezeichnet.
Wie mein Plakatentwurf entstanden ist
Drei Dinge fallen mir auf, die ich gern für meinen Plakatentwurf adaptieren möchte. Da ist die ruhige Ästhetik ihrer Fotos, teilweise gepaart mit witzigen Details. Allerdings habe ich weder eine große Blumen- noch Vasenauswahl im Büro. Aber frischen Salbei und eine Teezange. Für heute ist das witzig genug. Der Salbei wandert also in die Fotobox.
Ihre Bildsprache ergänzt Eri Ishihara mit grafisch klaren Formen und bleibt dabei in der Gestaltung streng minimalistisch. In ihrer „Spring has come” Posterserie setzt sie auf Karos, die ich spontan gut finde.

Und als Drittes: Ishihara setzt wenige, aber starke Farbkontraste ein. Faszinierend finde ich, wie leise und gleichzeitig kraftvoll ihre Kontraste wirken. Ausgangspunkt ihrer Farbwahl scheinen die Fotos zu sein und von dort greift sie zu drei, vier starken Farben. Dieses Prinzip habe ich, ausgehend vom Salbeigrün, übernommen.
Abschließend erinnert mich ihre lateinische Typografie an eine moderne Interpretation des Jugendstiles, an Art nouveau. Ich kann die Faszination sehen und gleichzeitig verbindet mich relativ wenig mit dem Stil. Daher entscheide ich mich für einen minimalistischen Einsatz in Kombination mit einem grafischen Element.
Blick hinter die Kulissen

Aha-Moment to go
Japanisches Plakatdesign lebt von Reduktion und Symbolkraft. Typisch sind asymmetrische Layouts, die Dynamik und Harmonie zugleich schaffen. Farben werden bewusst gewählt und sind darauf aus, Emotionen zu lenken. Die Typografie folgt häufig, auch in digitalen Entwürfen, handgeschriebenen oder organischen Formen. Naturmotive (Wasser, Blätter, Berge) werden zwar subtil inszeniert. Gleichzeitig dienen sie als tragende Metapher.
Noch eine kleine Inspiration
Diesmal ein Buchtipp für japanisches Poster Design:
POSUTĀ POSTER – Contemporary Poster Design from Japan,
3. Auflage. 2023, 2024, 2025, viction:workshop ltd., ISBN 978-988-75666-6-3
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Wie ist es in deinem Umfeld, sind da auch gerade viele Japan gehypt? Was verbindest du mit japanischem Grafik Design?
Ich wünsche dir eine schöne Woche und freue mich, dich nächste Woche mit einem neuen Plakat zu überraschen!
Herzlich, Silja
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