Ladislav Sutnar #18


Klammern um Telefonvorwahlen haben mich zu Ladislav Sutnar geführt. Und ich habe einen Grafik Designer entdeckt, der Satzzeichen und Farbcodes so bewusst einsetzte, dass wir von seinen Methoden im Bereich UI-Design und Informationsvisualisierung heute noch profitieren. Außerdem habe ich jetzt Baustein-Prototypen im Büro stehen, die alle wie magisch umstellen und neu sortieren.


Mein Inspirationsschubser

Es war eine kleine Randnotiz in einem Artikel über Informationsvisualisierung, dass der Name Ladislav Sutnar (1897 – 1976) bei mir einhakte. Als Grafik Designer hat er Klammern um Telefonvorwahlen gesetzt und damit in seiner Zeit die Suche in Telefonbüchern entschieden verbessert. Aus reiner Neugierde entdeckte ich dann einen Mann, der gleichzeitig Malerei, Architektur und Mathematik studiert hatte, im Grafik- und Produktdesign tätig war und Grundlagen für das heutige UI-Design gelegt hat.

Neben allem, was mich begeisterte, habe ich spätere grafische Arbeiten (1960er bis 1970er Jahre) von ihm entdeckt, die mich irritierten und irgendwie nicht ins bis dahin geformte Bild passten. Und so haben mich Teile seiner Arbeit auch herausgefordert zu hinterfragen, wie Grafik Design gesellschaftliche Normen fortschreibt.


Wie mein Plakatentwurf entstanden ist

Ladislav Sutnars gestalterische Wurzeln liegen in den De Stijl-Prinzipien, im Konstruktivismus und dem Bauhaus. Damit waren die Rahmenbedingungen für mein Plakat grob abgesteckt.

In seinen Plakatentwürfen hat Sutnar am liebsten auf visuelle Methapern verzichtet, der hierarchisch angeordneten Typografie den Vorrang gegeben. Da er aber so vielfältig war und sehr viele haptische Gegenstände entworfen hat, wäre mir eine rein typografische Lösung zu wenig gewesen.

Ein Foto seiner Spielbausteine hat mir dann die Richtung für meinen Entwurf gewiesen. Diese Bausteine existierten wohl nur als Prototypen, sie wurden nie in Serie produziert. Aber die Entwürfe bilden für mich die große Klammer um Sutnars Werk. Geometrisch und klar wie seine Wurzeln, schon mit Farbcodes und Symbolen versehen, wie seine späteren strukturierten Layouts, seine Statistiken für die UN.

Um die Zeit, in der er gestaltete zu honorieren, wollte ich für meinen Entwurf hauptsächlich analog arbeiten. Also Papier, Schere und Kleber genommen und Bausteine gebastelt, die dann gemeinsam mit dem schönen, alten Zirkelkasten meiner Mama das Foto lieferten. Das Foto habe ich kaum bearbeitet, um den analogen Werkstattcharakter nicht zu verlieren. Seine Symbolsprache habe ich behalten, die Farben in meine Farbwelt adaptiert.

Dass ich eine funktionale und klar fokussierte Typografie verwenden würde, stand schon fest, seit ich von den Vorwahl-Klammern gelesen hatte.


Blick hinter die Kulissen


Aha-Moment to go

Sutnar hat Farbcodes und Symbole zur Strukturierung großer Datenmengen genutzt. Für uns bleibt, der Einsatz von Symbolen hilft den Lesefluss effizient zu gestalten. Gleiche Symbole für gleiche Elemente sorgen für Übersichtlichkeit. Je einfacher ein Symbol, desto stärker bleibt der Informationsfluss erhalten. Symmetrische Symbole erfasst unser Auge sehr schnell, da es die Form bereits nach der Hälfte „verstanden“ hat. Aber auch Symbole unterliegen gesellschaftlichen Konventionen und es sollte klar sein, dass sie nicht bedingungslos universell einsetzbar sind.


Noch eine kleine Inspiration

Diesmal ein Buchtipp zur Informationsvisualisierung:
Veruschka Götz, Anna Rigamonti: 1 + 1 ≠≠ 2 Informationsvisualisierung – Missbrauch und Möglichkeiten,
2015, av edition GmbH, ISBN 978 3-89986-228-7



Lass mir gern einen Kommentar da, wenn dir das Thema, die auch angestupst hat oder dir die veränderte Newsletter-Struktur aufgefallen ist.



Ich wünsche dir eine schöne Woche und freue mich dich nächste Woche mit einem neuen Plakat zu überraschen!

Herzlich, Silja

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