Die ruhige Kraft der Wörter
„… In Wüsten fliehen, weil nicht alle Blütenträume reiften?“ Dieser Lyrikschnipsel begleitet mich seit langem. Literatur, Lyrik kann so viel. Sie kann uns tragen, treiben und trösten. Gerade deshalb wünsche ich mir für den öffentlichen Raum sehr viel mehr Literaturplakate, wo sie mit ruhiger Kraft Wirkung erzielen.
Mein Inspirationsschubser
Ich liebe Wörter, die leisen und lauten, die präzisen und die verschwommenen. Seit Jahren liegt immer ein handgeschriebener Zettel in der oberen Schublade meines Schreibtischs. Darauf ein Vers, ein Gedicht, das beim Lesen ein Echo in mir erzeugte und deshalb abgeschrieben wurde. Meistens begegnet mir Lyrik also privat.
Doch im Frühjahr war ich in Zypern zu einem Poster Contest mit dem Motto „Poetry speaks loud“. Seitdem hätte ich gern mehr Literaturplakate in unser aller Alltag. Zwischen den zu kaufenden Botschaften wünsche ich mir mehr plakatierte Verse. Mehr Literaturschnipsel, die uns zum Denken anregen, die uns inspirieren und begleiten.
Mit diesem Wunsch habe ich mich umgesehen und nur wenig entdeckt. Unter Begriffen wie Literatur-, Lyrik- oder Gedichtplakat lassen sie sich aufstöbern.
Es gibt bekanntere Typographen wie Niklas Stiller und Nikolas Hönig, die Lyrik auf Plakaten in den öffentlichen Raum bringen. Ansonsten habe ich sie vor allem als einzelne Arbeiten junger Grafikdesigner:innen entdeckt.
Wie mein Plakatentwurf entstanden ist
Für mich ist Lyrik auch etwas Haptisches. Sie ist, abgesehen vom Inhalt, bedrucktes oder beschriebenes Papier, Druckerschwärze und Tinte. Doch wie bringe ich die positive Kraft von Lyrik und das Haptische am besten zusammen? Dafür habe ich aus alten Buchseiten und Bindedraht eine Blume gefertigt. Um die visuelle Metapher zu vervollständigen, kombinierte ich sie mit einem Füllfederhalter.
Da Lyrik vielfältig ist, habe ich ein dreispaltiges Raster verwendet und den Satz linksbündig, mittig und rechtsbündig gesetzt. Gleichzeitig konnte, wollte ich nicht einen bestimmten Text darstellen. Da ist mir die Redacted Script als Font gerade recht gekommen.

Sidestep: Tatsächlich hatte ich noch mit dem Fineliner geskribbelte Blumen im Hintergrund und ein paar mehr dezente Farbpunkte. Die durften aber zugunsten der Klarheit früher Feierabend machen und warten jetzt auf eine andere Möglichkeit groß rauszukommen.
Blick hinter die Kulissen

Aha-Moment to go
Probiert es gern aus: Hängt Lyrik ins Büro, an den Schreibtisch, in die Nähe der Kaffeemaschine. Es muss ja kein großes Plakat sein. Ein Zettel reicht. Gedicht hinhängen und ein paar Tage hängenlassen.
Und dann beobachten, wie der Text seine Wirkung verändert, unterschiedliche Resonanz erzeugt. Vielleicht macht euch diese Kraft der Worte auch auf eine ruhige Art froh.
Noch eine kleine Inspiration
Tatsächlich habe ich bei meiner Recherche wenig bis nichts gefunden, was direkt auf Literaturplakate einzahlt. Doch die Webseiten von Niklas Stiller und Nikolas Hönig kann ich zum Umschauen mit thematischem Bezug sehr empfehlen. (Der Ausstellungskatalog des Graphic Contest 2026 ist leider noch nicht gedruckt.)
Wenn jemand von euch etwas weiß, bin ich dankbar über einen Tipp in den Kommentaren. :o)
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Ich wünsche dir eine schöne Woche und freue mich dich nächste Woche mit einem neuen Plakat zu überraschen! Herzlich, Silja
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