Abgabetermin kam vor der guten Idee
Meine Plakat-Inspiration diese Woche ist das Ergebnis einer fehlenden Knaller-Idee, eines gerissenen Abgabetermins und dem Bewusstwerden, warum mir das im beruflichen Kontext noch nicht passiert ist.
Mein Inspirationsschubser
Zwei-, dreimal im Jahr nehme ich an Poster Calls teil. Da ich das Thema „dignity“ spannend fand, hatte ich mich spontan für einen weiteren Call entschieden.
Und so begann meine Arbeit mit Fragen: Was ist Würde? Hat man sie einfach? Oder wird sie verliehen, wenn ja, von wem? Was ist unantastbar an ihr?
Ich habe gelesen, reflektiert, Bedeutungen um- und umgedreht. Öfter glaubte ich, gleich fügt sich alles zu einer Botschaft, ist der Weg frei zum Key Visual. Doch die Gedankenschleifen wurden größer, das Thema vielschichtiger. Mein Ziel, die Gedanken in eine schnell zu fassende Botschaft zu verdichten, habe ich nicht erreicht.
Der Abgabetermin ging vorüber. Der Poster Call fand ohne meinen Beitrag statt. Das ist für mich folgenlos. Niemand weiß, dass ich gefehlt habe.
Doch, was hat mich an dem gerissenen Termin inspiriert? Mir ist nochmal bewusst geworden, dass ich im Kontext von Kundenaufträgen einen sehr verlässlichen Ablauf für ähnliche Situationen habe. Ich frage früh und detailliert genug nach, höre zu. Gemeinsam engen und grenzen wir das Thema ein, solange bis wir die Kernbotschaft haben. Aus meiner Sicht ein verlässliches Vorgehen, da ich noch keinen Abgabetermin gerissen habe. (Und ja, dass Kundenaufträge selten SO frei wie dieser Call formuliert sind, hilft auch.)
Wie mein Plakatentwurf entstanden ist
Eine Bildidee hat sich während des Suchprozesses festgesetzt: Eine vordergründig offene Tür, durch die mit reiner Eigeninitiative schwer zu gehen ist. Für mich hat das dabei entstehende Gefühl viel mit Würde zu tun.

Umgesetzt habe ich die Idee als Collage aus Foto, Typografie und Grafikelementen. Die fast monochrome Tür bringt Ruhe und Fokus. Sie bildet den klaren, strukturierten Kontrast zur unscharfen Typografie. Die Worte „Unsere Weltoffenheit“ bilden einen Raum der vielen, mit kaum greifbaren Regeln.
Das Auge unterstreicht die Trennung in drinnen und draußen, ohne eine Bewertung mitzuliefern. An dieser Stelle kommst du ins Spiel. Die Interpretation liegt auch bei diesem Plakat ganz bei dir.
Blick hinter die Kulissen

Aha-Moment to go
Je spannender ein Thema, desto größer die Gefahr, sich in ihm zu verlieren. Für ein termingerechtes Ergebnis hilft nicht mehr Brüten, sondern verkleinern und einengen.
Noch eine kleine Inspiration
Heute zwei Bücher, die wenig mit Plakaten zu tun haben und die ich trotzdem sehr mag:
- Neil Gaiman: „Kunst ist wichtig – Weil deine Vorstellungskraft die Welt verändern kann“
(illustriert von Chris Riddell, Eichborn Verlag).
Gaimans Texte über Vorstellungskraft, Lesen und schöpferische Prozesse sind eine Liebeserklärung an das Machen. Sein Rat, in guten wie in schlechten Zeiten: Mach gute Kunst. - David Cantolla und Juan Díaz-Faes: „Scheitern als Erfolg. Kung-Fu für Unternehmer“
(Egmont Graphic Novel).
Eine Graphic Novel über einen, dessen Firma scheitert und der trotzdem weitermacht. Scheitern ist nicht das Ende, sondern Teil des Wegs.
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In welchem Thema hast du große Gedankenschleifen gedreht und wie bist du rausgekommen, mit einer Botschaft oder durften die Schleifen bleiben?
Ich wünsche dir eine gute Woche und freue mich, dich bald mit einem neuen Plakat zu überraschen!
Herzlich, Silja
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