Barbara Krugers Macht der Worte
Barbara Krugers Plakate erkennt man sofort. Und man vergisst sie nicht so einfach. Schwarz-weiße Fotocollagen kombiniert mit signalroten, serifenlosen Schriftzügen, die gesellschaftliche Normen und Machtstrukturen hinterfragen.
Diese Konzentration auf wenige Stilmittel und eindrückliche Botschaften über Jahrzehnte hinweg, ist mein erster Ankerpunkt, um mich mit Krugers Plakaten zu beschäftigen.
Barbara Kruger (Jahrgang 1945) ist eine amerikanische Künstlerin, Grafikerin. Ihr Berufsleben begann sie als Grafikdesignerin bei Magazinen wie Mademoiselle. Dieser Hintergrund prägte fortan ihren Stil: präzise, direkt und kommunikativ. Von Marketing und Werbung wechselte sie bald schon zur Kunst. Seitdem nutzt sie die Sprache und Mechanismen der Werbung, um kulturelle Konstruktionen wie Macht, Konsum, Identität zu thematisieren und zu hinterfragen. Ihre einprägsamen Botschaften transportiert sie in Fotografien, Skulpturen, Grafikdesign, Video- und Audioinstallationen.
Kruger lebt und arbeitet in New York und Los Angeles. 2021 wurde sie in die Jahresliste der 100 einflussreichsten Personen des Time Magazin aufgenommen.
Kruger setzt konsequent drei gestalterische Prinzipien ein:
Typografie als Statement
Sie verwendet hauptsächlich serifenlose Schriften wie Futura oder Helvetica. Diese Schriften sind neutral, klar und universell lesbar. Doch die Kombination mit ihren Texten entlarvt die vermeintliche Neutralität.
Beispiel: „I Shop Therefore I Am“ (1987)
Harte Farbkontraste
Ihre Arbeiten bestehen aus wenigen, aber harten Kontrasten: Schwarz-Weiß-Fotos als Hintergrund, überlagert von rot-weißem Text. Schwarz-Weiß wirkt dokumentarisch und schafft so eine scheinbare Objektivität, die die Betrachter:innen zunächst in Sicherheit wiegt. Ihre Botschaften setzen dagegen auf farbigen Kontrast und erzwingen die sofortige Aufmerksamkeit.
Bildsprache: Collagen mit Subtext
Kruger nutzt oft Fotos, Collagen aus Magazinen, Werbeanzeigen oder Archivmaterial. Diese Bilder sind nicht zufällig gewählt. Sie tragen bereits eine Bedeutung in sich, die Kruger durch ihre Texte umdeutet oder entlarvt.
Beispiel: „Untitled (We Don’t Need Another Hero)“ (1987)
Barbara Krugers Plakate sind immer politisch. Dabei sind sie aber nicht einseitig oder zu stark vereinfachend. Ihre Botschaften erzeugen eher Fragen und Nachdenken. Die von der 81jährigen verhandelten Themen sind nach wie vor aktuell und ihre Plakate wirken zeitlos. Sie sind Manifeste, Aufrufe zum Handeln und sie spiegeln unsere Gesellschaft.

Meine persönlichen Entdeckungen bei der Aufgabe ihre Prinzipien zu adaptieren:
- Politisches Statement: Ein Statement klar und präzise zu formulieren, ohne unzulässig zu vereinfachen oder zu polarisieren, ist unglaublich schwer. Trotzdem wäre es grob fahrlässig, diese Mühe zu scheuen und so wichtige Ankerpunkte zum gesellschaftlichen Diskurs zu verschenken.
- Wenige Stilmittel reichen, wenn die Mission und der Inhalt stimmen. Das ist keine völlig neue Entdeckung. Aber den Fokus und diese Absolutheit über ein sehr langes Künstlerin-Leben hinweg zu sehen, beeindruckt mich sehr.
- Plakate sind ein hervorragendes Medium, um Fragen und Nachdenken über gesellschaftlich relevante Themen zu starten. Das gilt schon lange und in der heutigen Zeit sollten wir dieses Wissen gezielt einsetzen.
Wenn du jetzt neugierig bist, kommt hier ein erster Einstiegspunkt: Barbara Kruger – 24 artworks – design
Außerdem: Welche Botschaft würdest du auf ein Plakat packen? Und wie würdest du sie gestalten, um sie unübersehbar zu machen?
Ich wünsche dir eine spannende Woche, herausfordernde und interessante Fragen und Antworten.:o)
Herzlich, Silja
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